deadsoul666
  Gothic und GothicPunk
 

Gothic


Die Szene im Überblick

Über den Umfang der Gothic-Bewegung ist bisher wenig bekannt. Eine Marktstudie
aus den späten 1990er Jahren geht – bezüglich der Szene in Deutschland – von etwa
60.000 Anhängern aus, obgleich diese Zahl als unrealistisch gilt, da sie neben der
tatsächlichen Gothic-Kultur auch Teile der gesamten
Schwarzen Szene und zahlreiche
Sympathisanten mit einbezieht. So äußert bspw. Roman Rutkowski in seinem Buch
„Das Charisma des Grabes“:

„Zudem muss man unterscheiden zwischen tatsächlichen Szenegängern und
kurzfristigen, vor allem jungen Sympathisanten, die sich auf ihrem Entwicklungsweg 
»ausprobieren« und nur kurz innehalten, beeinflusst durch die derzeitige Popularität
bestimmter Musikgruppen oder den Effekt »Szenezugehörigkeit als Mode«.
Hierbei findet eine Vermarktung statt, die mit den Neigungen der Teenager
durchaus geschickt taktiert."

Vor diesem Hintergrund wird auch ein Wachstum der Gothic- und Wave-Szene,
das um die Jahrtausendwende mehrmals prognostiziert wurde, szene-intern stark
angezweifelt. Stattdessen wurde bereits Ende der 1990er in vielen Regionen eine
sukzessive Rückbildung angenommen, die dem Niedergang der
Gothic- und Dark-Wave-
Musik zugrunde liegt. Die meisten Größenstatistiken beruhen auf der Grundlage von
Festivalveranstaltungen und Zeitschriftenverkäufen, weshalb keine geeigneten Daten vorliegen.
Denn nicht jedes Mitglied der Szene fährt zu den Festivals und nicht jeder Festivalbesucher
ist zwangsläufig ein Goth. So liegt beispielsweise die Besucherzahl des
Wave-Gotik-Treffens in Leipzig derzeit bei etwa 18.000[, allerdings ist das Publikum
in sich heterogen und umfasst neben Gothic auch Kulturen wie
Punk, Metal, Visual Kei,
Elektro, Cyber, Neofolk und Angehörige der Mittelalterszene. Darüber hinaus muss berücksichtigt
werden, dass speziell die großen Veranstaltungen international besucht sind. Eine Größenschätzung
des deutschen Publikumanteils ist aus diesem Grund nicht möglich. Ebenso lassen sich anhand
von CD-Verkäufen keine exakten Zahlen ableiten, denn „nicht alle Personen, die szenetypische
Musik erwerben oder hören, würden sich dieser Szene als zugehörig ansehen,
da hier doch mehr Attribute erforderlich sind als lediglich der Musikkonsum.“
Laut einer Studie des
Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit Nordrhein-Westfalen
(MFJFG NRW) beläuft sich das Alter der Szenemitglieder auf 14 bis 40 Jahre – ein Großteil
davon bewegt sich zwischen 16 und 24 Jahren. Die Geschlechterverteilung innerhalb der
Szene ist sehr ausgewogen, der Frauenanteil liegt somit deutlich über dem vieler anderer Subkulturen.

 

Szenemerkmale

Die Gothic-Szene gilt als ästhetisch orientierte Subkultur, deren Mitglieder als
friedlich, aber auch als unnahbar, elitär oder wirklichkeitsfremd wahrgenommen werden.
Sie ist eine retrospektive Kultur mit einer enormen Bandbreite an modischen Formen.
Die Durchschnittsbevölkerung wird von Teilen der Gothic-Kultur negativ kritisiert, etwa als
konservativ, konsumorientiert, intolerant, egoistisch und vom Gesetz der sozialen Bewährtheit geleitet.
Aus der Ablehnung dieser Eigenschaften resultiert eine demonstrative Distanzierung zur Gesellschaft.
Eine charakteristische
Lebenseinstellung, die alle Angehörigen der Gothic-Kultur
miteinander teilen, gibt es nicht. Zwar werden philosophische, religiöse sowie politische
Fragen unter Goths thematisiert, allerdings nicht einheitlich beantwortet.
„Aufgrund der […] Entstehung von Subszenen ist die Bandbreite an Gedankengut […]
sehr weiträumig. Hinzu kommt, dass die Szenemitglieder […] einen ausgesprochen starken
Individualismus zeigen und den Anspruch erheben, nicht etwa vorgefertigte Meinungen zu
übernehmen, sondern im Laufe ihres Lebens eine ganz eigene
Lebenseinstellung entwickelt zu haben.

Als ein besonderes Merkmal wird häufig die Friedfertigkeit der Szene hervorgehoben.
Diese ist jedoch überwiegend auf eine selbstbezogene, passive und teils resignative
Grundhaltung zurückzuführen. Die Gothic-Kultur ist keine politisierte Bewegung.
Sie verfolgt weder Ziele noch folgt sie einer gemeinsamen Ideologie.
„Die Jugendlichen kreisen vielmehr um sich selbst, denken über sich und ihre Geschichten nach,
durchaus auch über große Themen, ohne aber aktiv politisch zu handeln
oder ihre Kritik lautstark zu artikulieren.

Einige Goths suchen – ihrer Rückzugsintention entsprechend – Orte der Stille,
Einsamkeit und Besinnung auf, die zumeist eine Atmosphäre von Tod, Trauer, Leid,
Frieden und Vergänglichkeit ausstrahlen. Dennoch ist die Gothic-Szene keine Trauerkultur.
So gibt es etliche Goths, die sich primär an mystischen und okkulten Inhalten erfreuen
und versuchen, diese Seite ihrer Persönlichkeit auszuleben. Melancholische und
introvertierte Eigenheiten sind somit zwar verbreitet, diese lassen sich jedoch aufgrund der
Heterogenität der Szene und ihrer Ausdrucksformen nicht verallgemeinern. Ebenso
sind humoristische Wesenszüge vorhanden, was vor allem (teils selbstkritische)
Grufti-
Comics verdeutlichen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod und dessen
Akzeptanz als natürlichen Bestandteil des Lebens wird häufig
ambivalent, das heißt
sowohl auf ernsthafte als auch ironische Weise, nach außen getragen. Vereinzelt lässt
sich ein Hang zur
Existenzphilosophie erkennen, die neben dem Reinkarnationsgedanken
auch die Erkenntnis über die Vergänglichkeit und die damit assoziierte Sinnlosigkeit des
Lebens einbezieht, aus der sich wiederum negative Gemütszustände wie Gleichgültigkeit,
Resignation oder Todessehnsucht entwickeln können.
„Das Todesbild der Gruftis enthält extreme und direkte Formen der Beschäftigung mit dem
Tod, die vom Rest der Gesellschaft mit Unbehagen aufgenommen werden. Außenseitern ist
es meistens unverständlich, wieso sich junge Menschen ausgerechnet mit dem
Ende des Lebens befassen […].

Vergangene Epochen, wie das
Viktorianische Zeitalter, die Gründerzeit und das Fin de siècle,
ziehen das Interesse der Gothic-Kultur auf sich. Damit verknüpft ist häufig eine Vorliebe für literarische
Gattungen und Perioden, speziell für die
Gothic Novels und für die Schwarze Romantik, die zugleich
bedeutenden Einfluss auf das Erscheinungsbild der Szene ausübten. Eine der Grundeigenschaften
der Szene ist somit nicht, wie häufig angenommen, eine Rückbesinnung auf das
Gotik-Zeitalter,
sondern –
eng verbunden mit der Musik – auf das 18./19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Schauerromane.
Ferner ist eine Sehnsucht nach dem Mittelalter und seinen Mythen und Sagen anzutreffen.
Dabei handelt es sich jedoch um ein
romantisiertes Bild des Mittelalters, das viele Goths
vor Augen haben und eine Flucht vor der realen Welt ermöglichen soll. Die negativen Aspekte
dieser Zeit, wie tödliche Seuchen (
Pest), hohe Sterblichkeitsrate und Armut,
werden zumeist ausgeklammert.
Die Beweggründe, sich der Gothic-Bewegung
anzuschließen, sind unterschiedlicher Natur und unterscheiden sich nur unwesentlich
von denen anderer Subkulturen. Neben den musikalischen Vorlieben zählen hierzu
speziell im Jugendalter die Identitätssuche, alternative Lebensentwürfe, Protest und
Abgrenzung gegenüber dem Elternhaus und der Gesellschaft, aber auch ein depressives
Lebensgefühl, das häufig durch Sinnleere und Unverstandensein hervorgerufen wird.
Dabei zieht die Entscheidung, sich der Gothic-Szene anzuschließen, oft viele private, schulische
und berufliche Konflikte nach sich. In Einzelfällen kann diese Entscheidung die
Bindung an die Eltern oder andere Familienangehörige komplett zerstören, zum
Beispiel dann, wenn das Familienleben schon vorher stark belastet und unharmonisch war.
Diese Schwierigkeiten werden jedoch keineswegs als Beweggrund angesehen, sich von
den eigenen Idealen, einer Weltanschauung oder einem Lebenswandel zu distanzieren.
Viele Goths pflegen ein starkes Traditionsbewusstsein und behalten ihren Lebensstil
oder die damit verbundenen Vorlieben (unter anderem für Musik und Kleidungsstil) weit
bis ins Erwachsenenalter bei. Im Unterschied zu klassischen
Jugendkulturen entsteht
so ein altersübergreifender Dialog.


Gothic Punk

 Gothic Punk, auch Goth Punk oder Batcave genannt, ist
 eine Bezeichnung, die sich auf die frühe, noch stark durch
 den
Punk-, Glam- und Psychedelic Rock geprägte Spielweise
 des
Gothic Rock bezieht, andererseits eine Vermischung der
 Genres Punk und Gothic Rock meint. Fallweise ist es auch nur die
 Gothic-Attitüde, die von einigen Punkbands aufgegriffen und optisch
 nach außen getragen wird, wodurch auch diese Bands sporadisch als
 Gothic Punk tituliert werden. Die in den ausklingenden 1970er Jahren
 beginnende Musikrichtung, die von England ausgehend wegen
 ihrer schaurig-morbiden Art durch die Musikpresse unter der Bezeichnung
 „Gothic“ bekannt wurde, hat ihre Wurzeln im britischen
Post Punk.
 Laut dem Post-Punk-Fanzine Interzone wurden Gruppen wie
TSOL
 vor Aufkommen dieses Begriffs als
Darkpunk bezeichnet. Der Begriff
 „Gothic Punk“ wird sowohl gebraucht, um frühe Gothic-Bands zu beschreiben,
 deren Stil sich noch sehr stark am Punk orientierte, als auch für neuere Gruppen,
 die aktuellen Punk mit Gothic-Elementen mischen.Auch die Anhänger
 des Gothic Punk bezeichnen sich selbst als Gothic Punks oder Goth Punks
 und tendieren dazu, sich zu beiden Subkulturen zugehörig zu fühlen.
 Nach dem legendären Londoner Club
Batcave wird auch manchmal
 Batcave als eigenständige Bezeichnung für einen Musikstil im Sinne
 von Gothic Punk gebraucht, u. a. für die Band
Alien Sex Fiend.
 Die Batcave-Szene adaptierte für sich kurzzeitig, einem 1983 im
 
New Musical Express

 (NME) veröffentlichten Artikel folgend, den selbstironischen
 Namen Positive Punk. Damit drückte sie aus, dass ihre Spielart des Punk nicht
 auf einer Anti-Haltung beruhte, sondern ein kreativer bis mystischer
 Ansatz verfolgt wurde.

 
  What the fuck xD